Buchbesprechung: „Digitalisierung? Grundeinkommen!“

Autor: Sepp Kusstatscher
zuvor veröffentlicht im Netzwerk Grundeinkommen

Beim Mandelbaum-Verlag erschien jüngst der Sammelband „Digitalisierung? Grundeinkommen!“, den Werner Rätz, Dagmar Paternoga, Jörg Reiners und Gernot Reipen herausgegeben haben. Das Buch basiert auf dem Frankfurter Manifest, das mir die Forderung nach einem emanzipatorischen Grundeinkommen im Zeitalter der Digitalisierung so komprimiert und fundiert erklärt wie kein Dokument zuvor.

Die Autoren stellen die Würde des Menschen ins Zentrum ihrer Überlegungen, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) festgeschrieben wurde. Damit heben sie sich mit ihrer Forderung nach einem Grundeinkommen sehr klar und wohltuend ab von den Vorstellungen einiger Silicon-Valley-Unternehmer und IT-Manager, für die der Mensch nur ein Produktionsfaktor, Konsument und User zu sein scheint. Wie ein roter Faden zieht sich durch das Buch das Prinzip, dass die bedingungslose Absicherung der Existenz und die gesellschaftliche Teilhabe eines jeden Menschen ein Grundrecht, ja ein Menschenrecht ist.

Die Digitalisierung wird in diesem Buch nicht verteufelt, sie wird sogar begrüßt, insofern sie das Leben der Menschen erleichtert und selbstbestimmter macht. Sie müsse daher als Projekt der „Ökonomie des Gemeinsamen angegangen werden, also optimistisch, offensiv und emanzipativ“ (S. 172). Es wird unzweideutig vor der Kommerzialisierung der digitalen Güter gewarnt, die die wenigen ganz Reichen noch reicher macht und der Verarmung breiter Massen nichts entgegensetzt. Die neoliberale Ausrichtung der Digitalisierung, die prekäre Arbeitsformen befördert, alles beschleunigt und ein neuer Stressfaktor ist, die dem Menschen zudem jede Privatsphäre raubt und lediglich die Gewinnmaximierung beschleunigt – diese Entwicklung der Digitalisierung wird kritisch analysiert und strikt abgelehnt. Weiterlesen „Buchbesprechung: „Digitalisierung? Grundeinkommen!““

Digitale Monopole – Wie zähmen wir die Tech-Giganten?

Digitale Monopole – Wie zähmen wir die Tech-Giganten?

Google, Amazon, Facebook und co. sind mittlerweile so mächtig und allgegenwärtig, dass die Regierungen vor einer schwierigen Entscheidung stehen: ihre Souveränität in der digitalen Sphäre geltend zu machen oder sie an mächtige Unternehmen abtreten. Die Plattformen sind keine bloßen Marktteilnehmer mehr, sie bestimmen vielmehr die Funktionsweise der Märkte. So die Analyse des Wettbewerbsrechtsexperten Frank Pasquale im Aktuellen WISO direkt.

Um dies zu verhindern, schlägt der Autor vor, die Plattform-Giganten ähnlich wie Versorgungsunternehmen (z.B. aus der Telekommunikations-, Wasser- und Elektrizitätswirstchaft) zu regulieren. Denn wird ihnen nicht Einhalt geboten, werden sie zu den de-facto-Herrschern des 21.Jahrhunderts.

 
Weiterlesen „Digitale Monopole – Wie zähmen wir die Tech-Giganten?“

Buchbesprechung

Steffen Lange, Tilman Santarius
Smarte Grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit
oekom Verlag München 2018
268 Seiten, 15,00 Euro
ISBN 978-3-96238-020-5

(Autor des Artikels: Werner Rätz)

Die beiden Autoren sind ausgewiesene Experten für das Thema und das merkt man dem Buch durchgängig an. Lange ist Volkswirt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Santarius Fellow am Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin, letzterer außerdem Professor für Sozial-Ökologische Transformation und nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin. Ihr Fachwissen erlaubt ihnen nicht nur eine absolut profunde und mit sehr vielen Details versehene Darstellung des Gegenstandes. Es macht es ihnen auch einfach, eine Sprache zu finden, die verständlich und nachvollziehbar auch komplizierte Zusammenhänge erklärt. Wer wissen will, die Digitalisierung funktioniert und wie weit die mit ihr verbundenen Blüten- oder Albträume gediehen sind, ist mit diesem Buch sehr gut bedient.

Weiterlesen „Buchbesprechung“