digiBGE19-Hamburg

Vom Grundgesetz zur Demokratie und zum Grundeinkommen
zur Frage der Produktivität der Wirtschaft im Zeitalter der Digitalisierung

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Die Bearbeitung der Videodateien läuft!

Am 5. Oktober 2019 gastiert die digiBGE19-Tournee in der W3-Werkstatt in Hamburg-Altona, Nernstweg 32-34. Die Tournee zum Thema „Digitalisierung? Grundeinkommen!“ ist die Fortsetzung der BGE17-Tournee, die 2017 in vierzehn Städten mit über vierzig Referierenden stattgefunden und zu einer guten Vernetzung von BGE-Aktivisten in Deutschland und über die Grenzen hinaus geführt hat. Diesmal wollen wir uns aber nicht ausschließlich mit dem Thema Grundeinkommen beschäftigen, sondern vielmehr die Rahmenbedingungen eines Grundeinkommens im Zeitalter der Digitalisierung in den Fokus stellen und gemeinsam diskutieren.
Bei dieser Veranstaltung geht es schwerpunktmäßig um die Themen:

1. Grundrechte im Zeitalter der Digitalisierung
2. Chancen und Risiken der Demokratie und die Bedeutung des Grundeinkommens für eine intakte Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung und
3. Wozu dient die Produktivität der Wirtschaft und wozu sie künftig im Zeichen der Digitalisierung dienen könnte bzw. sollte?“

Als Referierende eingeladen sind:
Ute Behrens von der Initiative146
Dr. Gernot Reipen vom Arbeitskreis „Digitalisierung? Grundeinkommen!“ im Netzwerk Grundeinkommen und
Prof. Dr. Otto Lüdemann vom Netzwerk Grundeinkommen in Hamburg.


PROGRAMM

  • Grundrechte digital abgehängt.
    Ist das Grundgesetz noch zeitgemäß?
    Ute Behrens

70 Jahre Grundgesetz. Kaum einer weiß, dass ,,Verfassungsvater“ Hermann Brill bei der Entstehung der Grundrechte an die französische Verfassung von 1789 dachte. Die Verwirklichung der Menschen- und Bürgerrechte als oberstes Ziel, als eigentlicher Staatszweck für Regierung, Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung. In diesem Jahrhundert scheinen die Grundrechte erneut auf der Kippe zu stehen, weil eine ganze Gesellschaft über ihre Köpfe hinweg zwangsdigitalisiert wird.

Wie fragil ist unser Grundgesetz? Ist es überhaupt noch in der Lage, uns in letzter Konsequenz vor chinesischen Verhältnissen zu schützen, d.h. vor einer Volkswirtschaft, die die Künstliche Intelligenz zum Staatsziel erklärt hat und Social Scoring nutzt, um den Totalitarismus effizienter zu gestalten?

Müssen wir nicht dringend unsere Grundrechte erweitern? Können wir unser Grundgesetz überhaupt noch „updaten“, oder brauchen wir nicht längst ein völlig neues „Betriebssystem“, einen neuen Gesellschaftsvertrag, der die „Macht der Daten“ in die Hände der Bürgerinnen und Bürger zurücktransferiert?

Videodokumentation

 

  • Demokratie, Grundeinkommen und Digitalisierung
    Dr. Gernot Reipen

    Der digitale Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse ist nicht mehr von der Hand zu weisen und allgegenwärtig. Die digitale weltweite Vernetzung und der fast uneingeschränkte Datenstrom an Informationen bilden Chancen und Risiken für unsere Demokratie zugleich.Dabei sollten wir die Digitalisierung so nutzen, dass sie allen Menschen dient und allen Menschen zu Nutze gereicht. Wenn die Digitalisierung uns zukünftig durch Automatisierung, Roboterisierung und Algorithmen die Arbeit erleichtert oder sie sogar überflüssig macht, dann müssen wir zukünftig die (Frei-)Zeit besitzen, an demokratischen Entscheidungen aktiv und jederzeit teilzunehmen. Dann müssen wir zukünftig die (Frei-)Zeit besitzen, an neuen Gesellschaftsformen aktiv mitwirken und diese aufbauen zu können. Dann braucht es ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Wahrung einer selbstbestimmten Gesellschaft und einer intakten Demokratie im Zeitalter der Digitaliserung. Denn nur ein Mensch ohne Existenzangst ist frei in seinen Entscheidungen.

Videodokumentation
Anmerkungen zur Videodokumentation: Demokratie, Grundeinkommen und Digitalisierung
Oder, wer regiert hier eigentlich? Eine Frage, die der Kabarettist Georg Schramm schon 2012 seinem Publikum stellte.

Sicherlich nicht unsere Politiker, sicherlich nicht die Regierung und auf gar keinen Fall das Volk. Georg Schramm nannte als Antwort das Böse, genauer die Habgier. Regierungen stufte er allerhöchstens als Furunkel am Gesäß des Bösen ein. Nicht mehr und nicht weniger.

In meinem Vortag „Demokratie, Grundeinkommen und Digitalisierung“  habe ich das Böse noch präziser definiert. Für mich ist es der ungezügelte Raubtierkapitalismus, der unsere Gesellschaft und unsere Kultur seit dem Fall der Mauer verstärkt bedroht und unsere Gesellschaft in arm und reich, in Gewinnern und Verlierern aufspaltet. Parallel zur Digitalisierung macht sich eine zunehmende Radikalisierung bemerkbar, die die gesellschaftliche Aufspaltung noch verstärkt. Es ist fünf vor Zwölf, wenn wir unsere Demokratie retten wollen. Dabei nimmt das bedingungslose Grundeinkommen, neben anderen politischen Voraussetzungen, eine wichtige Rolle ein.

Am Ende meines Vortrages weise ich auf zwei sehenswerte und ergänzende Dokumentationen hin, die auf YouTube jederzeit abrufbar sind: Die Arte Dokumentation „Die Erdzerstörer“  und „Die Menschheit schafft sich ab

 

  • „Wozu dient die Produktivität der Wirtschaft ?
    ……und wozu sie künftig im Zeichen der Digitalisierung dienen könnte / sollte?“
    Prof. Dr. Otto Lüdemann

Das individuelle Wohl aller einzelnen Menschen und das Gemeinwohl (das Menschenrecht auf Existenz und das Ziel des Wirtschaftens) sollte stets zusammen betrachtet werden. Daher macht es Sinn, die Idee des bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) und die Idee der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) miteinander zu verknüpfen und für eine engere Kooperation der dahinter stehenden Bewegungen zu werben.
Im Vortrag näher vorgestellt wird die Idee eines BGE-Feldversuchs, bei dem die Mitarbeiter/Innen ausgewählter europäischer GWÖ-Unternehmen, und zwar ggf. nur komplette Belegschaften, sich bewerben könnten, um für eine begrenzte Zeit ein partielles Grundeinkommen zu erhalten. Die Unternehmen hätten sich zu verpflichten, die finanzielle Zuwendung nicht als Lohndumping-Maßnahme zu missbrauchen.
Eine wissenschaftliche Begleitstudie hätte zu prüfen, ob sich bei diesem Versuch die begründete Erwartung einer Win-Win-Bilanz für beide Bewegungen bestätigt. Ferner sollte untersucht werden, wie sich die bedingungslose Zuwendung auf die Arbeitsmotivation der Menschen, auf ihre individuelle Lebensplanung, auf die Arbeitsorganisation und die Produktivität in den Unternehmen sowie insgesamt auf die Unternehmenskultur auswirkt.

Videodokumentation

 

 

 

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