Utopie-Konferenz der Leuphana Universität Lüneburg

 

Das Grundeinkommen nur eine Utopie?

Autor: Dr. Michael Berndt

Wie wollen wir übermorgen zusammenleben? Dies war die zentrale Frage der Utopie-Konferenz, zu der Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg, gemeinsam mit Richard David Precht vom 20. bis zum 22. August 2018 eingeladen hatte. Dieser Einladung folgten als Gäste nicht nur 49 renommierte und bekannte Kulturschaffende, Philosophen, Wissenschaftler der verschiedensten Fachrichtungen, Politiker und Wirtschaftsvertreter, sondern auch 600 Studierende und engagierte Bürger.
Der Duden bezeichnet eine Utopie als einen „undurchführbar erscheinenden Plan“. Doch immer wieder werden Utopien Wirklichkeit, insbesondere dann, wenn ein Paradigmenwechsel stattfindet. Gerade utopisches Denken hilft dabei, bestehende Denk- und Verhaltensmuster in Frage zu stellen, zu überwinden und nachhaltig zu verändern.

So begann die Konferenz mit Vorträgen und Gesprächsrunden zu bereits erfolgreichem „utopischem“ Denken und Handeln und zu aktuellen Utopien. Dabei muss aber immer, „… wenn man mit einer utopischen Idee kommt, …, die erste Frage sein: Ist das eine gute Idee oder nicht?“, wie der Philosoph Richard David Precht forderte. Erste Gesprächsrunden sind bereits online gestellt worden und weiteres Foto- und Filmmaterial soll in den nächsten Wochen noch hochgeladen werden. Mit der zweiten Hälfte der Konferenz waren dann alle Teilnehmer zur aktiven Mitarbeit aufgerufen. In 25 Workshops wurden heute noch utopische Ideen des gesamten gesellschaftlichen Themenspektrums in Einführungsvorträgen von den eingeladenen Gästen vorgestellt und dann gemeinsam weiterentwickelt.

Auch die Utopie eines Bedingungslosen Grundeinkommens wurde in einem Workshop unter der Mitwirkung der bekannten Sozialwissenschaftlerin Ute Fischer diskutiert. Zum einen wurde überlegt, wie eine Einführung ausgestaltet werden sollte, die schrittweise erfolgt. Ein Beginn mit einzelnen gesellschaftlichen Gruppen wie zum Beispiel Rentner oder Sozialhilfeempfänger fand nur wenige Befürworter. Die große Mehrheit sprach sich in ähnlicher Stimmenzahl für eine schrittweise Erhöhung des Betrages bis zum Endbetrag oder eine Einführung über Regionen aus. Und es wurde auch die Utopie der Einführung eines globalen Grundeinkommens durch eine Charta der Vereinten Nationen entwickelt. Damit würden auch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen einer Welt ohne Armut und Hunger, mit Bildung für alle, ohne menschenunwürdige Arbeit, mit weniger Ungleichheiten und mehr Frieden und Gerechtigkeit erreicht. Als weltweit übergeordnete Institution wären die Vereinten Nationen der richtige Organisator dieser Utopie.

Wie nötig ein Grundeinkommen ist, verdeutlichte auch die bekennende Befürworterin Anke Domscheit-Berg in einer Gesprächsrunde der Konferenz:

… das bedingungslose Grundeinkommen, das – glaube ich – eines der stärksten Mechanismen schlechthin ist, Menschen die Angst vor der Zukunft zu nehmen.“

Im nächsten Jahr findet die Konferenz eine Fortsetzung. Vielleicht ist dann auch das Grundeinkommen bereits ein bisschen weniger utopisch.

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