Digitalisierung und bedingungsloses Grundeinkommen

Neue Möglichkeiten für Sorge- und Pflegetätigkeiten? 

Autorin: Dagmar Paternoga,
Attac, Genug für Alle AG

Dagmar PaternogaMit zunehmender Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) und damit verbundenen Zukunftsszenarien um den Wegfall von Erwerbsarbeitsplätzen bekommen immer mehr Menschen Angst vor der Digitalisierung. Sie fragen, was ist mit der Sicherheit meines Einkommens durch Erwerbsarbeit? Wie viel Arbeitsplätze werden durch KI wegfallen?

Doch müssen wir davor Angst haben? Oder bietet die Digitalisierung neben ihren Gefahren, denen wir aufmerksam begegnen müssen, auch Möglichkeiten, unsere Gesellschaft neu zu gestalten?

Die Sicherheit eines Einkommens aus Erwerbsarbeit galt nur für eine kurze Zeit und nur für Westeuropa und Nordamerika und nur für die männlich weiße Bevölkerung. Diese Sicherheit ist durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die Erosion unserer Sozialsysteme nicht mehr gewährleistet. Also muss die Sicherheit eines existenziellen Einkommens abgelöst von der Erwerbsarbeit für alle Menschen gewährleistet werden. Dazu dient das bedingungslose Grundeinkommen, also die monatliche und garantierte Zahlung eines Geldeinkommens.

Noch heute sind Frauen, auch wenn sie berufstätig sind, meistens zuständig für die private Sorgearbeit. auch Care-Tätigkeiten genannt. Frauen verdienen in Deutschland auch heutzutage 20 Prozent weniger Lohn/Gehalt wie Männer. Beim bedingungslosen Grundeinkommen ist der Betrag für Männer und Frauen gleich.

Der ungeschriebene „Geschlechtervertrag“ basiert noch aus Zeiten, als man den Frauen die private Sorgearbeit, den Männern den öffentlichen Arbeitsmarkt zugewiesen hatte. Er hält sich leider zäh bis heute. Es waren Feministinnen, die darauf hingewiesen haben, dass neben der Arbeitsleistung für den Markt, es den großen Anteil menschlicher Pflege-, Erziehungs- und Fürsorgearbeit gibt, der in den meisten Wirtschaftstheorien völlig unbeachtet blieb. Was teilweise bis heute so ist. Dieses Desinteresse an den kulturellen Grundlagen für unbezahlte Arbeit kommt den westlichen Gesellschaften inzwischen teuer zu stehen. Denn es ist nicht „natürlich“, dass Frauen bis in alle Ewigkeit putzen, pflegen, erziehen und Essen kochen. Viele Frauen beanspruchen einen gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt. Daher muss die Frage, wer Sorge- und Pflegetätigkeiten erledigen soll, neu ausgehandelt werden. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen haben Frauen mehr Spielraum, diese Verhandlungen auf Augenhöhe zu führen.

Diese Aushandlungen müssen im Rahmen der Möglichkeiten, Roboter in die Pflege einzubeziehen, neu gedacht werden. Durch den Ersatz von Erwerbsarbeit, die niemand gerne verrichtet, weil sie zu anstrengend, gesundheitsgefährdend oder zu monoton ist, ergeben sich Chancen, die Gestaltung von Sorge- und Pflegearbeit neu zu überdenken. Mehr Zeit zu haben für Kinder, die alten Eltern oder kranke Angehörige ist auch vielen jungen Männern wichtig. Auch sie wünschen sich, mehr teilhaben zu können an der Entwicklung ihrer Kinder.

Wenn wir als Gesellschaft entscheiden, dass mit der Digitalisierung die Möglichkeiten, diejenigen Tätigkeiten aufzuwerten, in denen vor allem bedürftigen Menschen geholfen wird und wir nicht zulassen, dass menschliche Zuwendung durch Roboter ersetzt wird, wird sich zeigen, wie human unsere Gesellschaft mit Digitalisierung bleiben und werden wird. Das emanzipatorische bedingungslose Grundeinkommen ermöglicht dies.

2 Kommentare zu „Digitalisierung und bedingungsloses Grundeinkommen

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